Die erste Stunde

Das ist die Beschreibung der „ersten Stunde“ in internationalen Gruppen, in denen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kein Deutsch Sprechen und in denen es keine Brückensprache gibt. Am Lektorat Deutsch als Fremdsprache an der Universität Göttingen hatte ich zwischen 2008 und 2016 regelmäßig solche Gruppen unterrichtet. Der hier vorgestellte Stundenablauf ist das Resultat aus meinen Erfahrungen aus vielen Semestern. Es gibt sicher auch bessere Wege und bessere, kreativere Ideen – das ist halt mein Weg.

Die allererste Stunde ist in internationalen Gruppen immer eine Herausforderung. Ich hatte schon Gruppen
mit 20 Teilnehmern aus 18 verschiedenen Ländern, mit 18 verschiedenen Muttersprachen. Damals sprach ich nicht einmal Englisch, ich musste die erste Stunde irgendwie so konzipieren, dass es trotzdem passt.Mein
wichtigstes Werkzeug war damals wie heute mein Bildmaterial Ohne Bilder fühle ich mich irgendwie etwas verloren, sie sind einfach fester Bestandteil meiner Methode und prägen meinen Unterrichtsstiel.
So gehe ich also im Unterricht vor:

  • Als Erstes begrüße ich die Gruppe auf Deutsch. „Guten Morgen, Guten Tag oder Guten Abend“ – je nach dem, wann der Kurs stattfindet. Dann zeige ich dazu das passende Bild und wiederhole die Grußformel. Danach schreibe ich die Grußformel an die Tafel. So gehe ich mit allen Grußformeln um.
  • Dann lese ich die Sätze von der Tafel laut ab und zeige dazu immer das passende Bild. Nach diesem Schritt deute ich durch Handbewegungen an, dass ich möchte, dass die ganze Klasse mit mir gemeinsam im Chor liest – und dann liest die Klasse (Gruppe) mit mir gemeinsam. Es dauert in der Regel einige Minuten, bis sie verstehen, was ich möchte, aber dann geht es sehr gut.
  • Nachdem die Texte im Chor nachgesprochen wurden, lasse ich die Einheiten in Form von Minikommunikation üben.Dazu brauche ich einen Ball, den ich immer bei mir habe. Ich sage eine der Grußformel und werfe dem Ball einem Teilnehmer ode einer Teilnehmerin zu. Sie antworten entsprechend, und werfen den Ball zurück. Dann kommen die nächsten Formeln und die nächsten Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen. Und so geht es weiter.
  • Die nächste Einheit in der ersten Stunde ist dann die Vorstellung. Dazu nehme ich wieder entweder Bilder mit Personen darauf oder meine Handpuppen. Zuerst stelle ich mich selbst vor, danach „stellen sich“ die Handpuppen „vor“ und fragen „einander“. So spiele ich die Kommunikation durch.
    handpuppe
  • Danach notiere ich wieder die Sätze an der Tafel und ich mache die gleichen Schritte, die ich oben beschrieben habe. Bei dem Ballspiel entsteht dann schon die erste kleine Kommunikationseinheit:- Guten Tag!
    *Guten Tag!
    – Wie heißen Sie?
    * Ich heiße Anna. Und Sie?
    – Ich heiße Nika.
  • Ob ich diese Mikroeinheit auch tatsächlich einzeln mit allen Teilnehmern durchspreche, hängt von der Zeit und von der Gruppengröße ab. Manchmal nehme ich nur die Grußformel wieder alleine oder einfach die Vorstellungsformel. (Ich heiße, Mein Name ist… Ich bin… / Wie heißen Sie? Wie ist Ihr Name? Sind Sie …) Mit diesen Schritten bin ich ungefähr bei der Hälfte einer 90 minütigen Unterrichtseinheit.
  • Als nächstes bringe ich den Studenten/Schülern das Alphabet und die wichtigsten Ausspracheregeln bei. Zu den Ausspracheregeln habe ich durch die vorangehenden Schritte bereits auch das Material: die Grußformel und die Sätze zur Vorstellung. Anhand dieses Wortschatzes erkläre ich, wie man ß oder ei ausspricht. Auch die verschiedenen Ausspracheformen von S sind in diesen ersten Sätzen zu finden. Wie ich das Alphabet unterrichte, habe ich bereits in einem separaten Blogbeitrag beschrieben.Falls mir noch Zeit übrig bleibt, weil die Klasse so gut ist, nehme ich auch die Zahlen bis 10. Aber das ist relativ selten der Fall.Durch die kleinen Kommunikationseinheiten, die sowohl Aussagesätze als auch Fragesätze enthalten, kann ich in der nächsten Stunde auch schon mit der Grammatik (Satzbau und Verbkonjugation) anfangen, weil ich bereits dafür gutes Anschauungsmaterial habe. So läuft bei mir also die erste Stunde. Das ist mein Weg, meine Methode.Es gibt sicher andere Wege und andere Methoden, die eventuell sogar besser bzw. spannender sind solche Methoden kennen, können Sie diese gerne als Komment diesem Artikel hinzufügen.

Geschrieben von H.Sabile

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