Ratschläge für den Unterricht in Flüchtlingsgruppen mit Null Deutschkenntnissen

Ein Kollege hatte in der Gruppe folgende Frage:

Hat jemand von euch Erfahrung mit dem Unterrichten von Leuten, die kaum Deutsch- oder Englischkenntnisse haben? Wie geht man es an? Welche Bücher sind gut? Welche Themen sollte man zuerst unterrichten? Wie verständigt ihr euch mit Jugendlichen, deren Sprache ihr nicht sprecht usw.?

Die Mitglieder hatten folgende praktische Ratschläge für ihn parat: 

– Sofort mit kommunikativen Phrasen beginnen. Mit Bildern und Pantomime. Quasi sprechen von der ersten Minute an. Kennenlernspiele am Anfang ermöglichen dir, eine
Beziehung aufzubauen und abzustecken, wo du anfangen musst. Meine letzte Gruppe liebte das spiel „Obstsalat“. http://www.spielewiki.org/wiki/Obstsalat

– Ich habe das Buch, damit ich weiß welchen Aufbau ich am besten folge, ansonsten arbeite ich ziemlich frei und nutze möglichst verschiedene Medien, auch Lieder und
kleine Filme aus YouTube zum Thema Deutschland natürlich um die Teilnehmer an den Klang der Sprache zu gewöhnen.

– Auch wenn deine Teilnehmer angeblich alphabetisiert sind, glaube nicht, dass sie alle schreiben können und das, was sie schreiben auch lesen können. Ich bin gerade dabei meinen Teilnehmern den eigenen Namen auswendig schreiben zu lassen – schwierig genug!

– Etabliere bestimmte Pantomime (lesen, hören, schreiben, sprechen, ich, du…) und sag es immer richtig dazu. Ich habe mir auch gewisse Symbole laminiert, die ich am Anfang einführe (Kaffeepause, Dialoge, Gruppenarbeit, Uhr mit Beginnzeit wenn jemand zu spät kommt usw.). Einen kleinen Set von Bildern können Sie HIER als PDF und HIER als POWER POINT herunterladen! Bei der Uhr-Symbol kann man die gewünschte Zeit per Hand eintragen. 

– Disziplin deinerseits ist sehr wichtig, gemeint ist, das Schriftbild an der Tafel einheitlich gestalten – ich habe/hatte unterschiedliche Schreibweisen desselben
Buchstabens zT sogar im selben Wort…

– Bei Wiederholungen den Satzbau beibehalten – mach ich selber oft falsch und schaue dann in ratlose Gesichter.

– An meiner Schule benutzen wir Pluspunkt Deutsch, das ist ganz gut. Die Hauptsache ist, am Anfang sehr, sehr langsam vorzugehen, immer wieder zu wiederholen und wiederholen zu lassen, bis alles sitzt. Und Pantomime und Bilder sind lebensnotwendig.

– Vor kurzem ist das Lehrwerk „Erste Hilfe Deutsch“ erschienen. Es ist günstig (um die 5€) und wurde speziell für die Zielgruppe entwickelt. Ich hab es selbst allerdings nicht verwendet, da es erst veröffentlicht wurde, als mein Kurs für geflüchtete Menschen bereits vorüber war, aber ich hab es daheim und finde es gerade für den Anfang eines Flüchtlingskurses ganz brauchbar. Vor allem weil es sehr einfach gehalten ist und nicht überfordernd wirkt. Allerdings erfordert es doch einige Schriftkenntnisse und bietet leider nicht wirklich viel schriftliches Übungsmaterial (ein Thema = eine Doppelseite). Viele arbeiten am Anfang mit dem Hamburger ABC. Je nachdem wie alt deine TN sind, ist das vielleicht eine Idee.

-Entscheide dich unbedingt für ein Buch. Wenn du keine Erfahrung hast, ist es für dich ein Leitfaden (vor allem in der Grammatik), an den du dich halten kannst.

-Bitte denke an die Großschreibung von Nomen an der Tafel (und vielleicht auch hier bei FB). Ein Buch ist sehr hilfreich zur Orientierung.

-Ich unterrichte die Nomen nie ohne (farbige) Artikel, ich hoffe dass das irgendwann Früchte trägt.

Weiteres Material: Die erste Stunde – So kann man die erste Stunde gestalten

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Zusammengefasst von H. Sabile
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